OS – DB 112

„Durchbruch in Linne“

Nummernschilder an Autos haben gelegentlich eine besondere Bedeutung für ihre Besitzer. Auch beim Einsatzfahrzeug der Ortsfeuerwehr Linne ist das Kennzeichen kein reiner Zufall:

 

OS steht bekanntlich für Osnabrück, was natürlich nicht ausgewählt werden konnte. Dennoch wird damit deutlich, dass die Ortsfeuerwehr Linne nicht nur Teil der Alarmeinheit Hüsede/Barkhausen Linne und der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Bad Essen ist, sondern auch Bestandteil der Kreisfeuerwehr Osnabrück. Zur Kreisfeuerwehr gehören alle Feuerwehren im Landkreis, die in eine gemeinsame Organisationsstruktur eingebunden sind und sich bei Bedarf gegenseitig unterstützen.

 

112 steht für schnelle Einsätze bei Alarmierung durch die Rettungsleitstelle. Ein Anruf unter dieser Rufnummer gewährleistet eher als jede andere Nachricht, dass bei Bränden und Unfällen schnell und wirksam geholfen wird.

 

Die Buchstaben DB am Kennzeichen des Linner Feuerwehrfahrzeuges haben sich seinerzeit zufällig ergeben. Doch schon bei der Übergabe des Löschfahrzeugs durch die Gemeinde war von einem Durchbruch die Rede für das damals neue Feuerwehrkonzept der Gemeindefeuerwehr.

 

Grundsätzlich müssen Feuerwehren nach einem landesweit vorgegebenen abgestuften Standard, der „Mindestausstattungsverordnung“, ausgerüstet werden. Das gibt auch Sinn, weil es die einheitliche Ausbildung am Gerät und die Zusammenarbeit bei Einsätzen erleichtert. Allerdings führen starre Vorgaben manchmal auch dazu, dass je nach örtlichen Verhältnissen die Mindestausstattung einerseits nicht ausreicht, auf bestimmte Gefahren angemessen reagieren zu können. Andererseits ist es nicht immer erforderlich, in eine größere und damit deutlich teurere Fahrzeugklasse einzusteigen, nur weil eine bestimmte zusätzliche Ausrüstung benötigt wird. Gerade für Gemeinden mit einer stark gegliederten Feuerwehr können durch flexible Lösungen erhebliche Kosten vermieden und gleichzeitig die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehr erhöht werden.

 

Mit diesem Ziel hatte die Gemeindefeuerwehr ab 1996 ein Konzept erarbeitet, dass nach intensiver Beratung 1997 der Gemeinde vorgelegt werden konnte. Dieses erste Brandschutzkonzept´97 sah für weitere Einsatzbereiche die Zuständigkeit bestimmter Feuerwehren für das gesamte Gemeindegebiet vor. Bis dahin gab es eine Spezialisierung nur für den Einsatz hydraulischer Rettungsgeräte, den Drehleitereinsatz und die Bekämpfung größerer Ölschäden.

 

Nach diesem Konzept war die Einheit Hüsede/Barkhausen/Linne als gemeindeweite Verstärkung für großräumige Einsätze wie z. B. Wald- und Flächenbrände vorgesehen. Hierzu wurde ein leichtes Allradfahrzeug mit einem großem Löschwassertank und angepasster Ausrüstung benötigt. Ein Fahrzeug mit diesen Vorgaben hat die Gemeinde 1997 für die Ortsfeuerwehr Linne beschafft, nachdem das dort stationierte LF 8 altersbedingt ausgemustert werden musste.

 

Mit dieser Entscheidung von Rat und Verwaltung wurde das als Empfehlung der Gemeindefeuerwehr vorgelegte Brandschutzkonzept erstmals anerkannt und danach gehandelt. Für die erste Fahrzeugbeschaffung waren langwierige Verhandlungen, sowie Zeit und viel Geduld mit verschiedenen Stellen erforderlich. Unter anderem musste eine Zustimmung des Innenministeriums eingeholt werden, um öffentliche Zuschüsse zu erhalten. Dies konnte schließlich in Verhandlungen im Ministerium in Hannover mit maßgeblicher Unterstützung durch Kreis- und Gemeindeverwaltung erreicht werden. Das in Linne stationierte TSF-W Allrad ist ein Fahrzeugtyp, der heute von namhaften Herstellern in Serie gebaut und europaweit eingesetzt wird. Die aktuellen Normen sehen „Beladung nach örtlichem Bedarf“ ausdrücklich vor und die „Mindestausstattungsverordnung“ lässt den Gemeinden mehr Spielraum. Auch sind öffentliche Zuschüsse an die Gemeinde nicht mehr von Ausnahmegenehmigungen des Innenministeriums abhängig.

 

In der Gemeinde Bad Essen hat der Rat im Jahr 2002 das Brandschutzkonzept 2002 plus beschlossen, dass die Struktur und den Ausstattungsbedarf für die Freiwillige Feuerwehr verbindlich festlegt. Zahlreiche in diesem Beschluss genannte Maßnahmen wurden inzwischen umgesetzt.

 

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Feuerwehrkonzeptes ist der „Spezialisierungsverbund“: Für schnelle Ersteinsätze wird die örtlich zuständige Einheit alarmiert. Eine Verstärkung erfolgt dann im Verbund mit jeweils einer spezialisierten Einheit. Jede Einheit der FFW Bad Essen ist dabei für mindestens eine Sonderaufgabe besonders ausgerüstet und wird damit bei Bedarf gemeindeweit eingesetzt. Dabei sollen von der spezialisierten Einheit im jeweiligen Aufgabenbereich auch der Einsatz weiterer Feuerwehren organisiert und geleitet werden.

 

Die Einheit Hüsede/Barkhausen/Linne mit ihren drei Löschfahrzeugen ist besonders gefordert, wenn es um Einsätze mit räumlich großer Ausdehnung geht. Dass kann ein Wald- oder Flächenbrand sein, bei dem der reibungslose Einsatz zahlreicher Tanklöschfahrzeuge einschließlich der Brandbekämpfung vor Ort organisiert werden muss. Ebenso denkbar ist eine großräumige Verkehrslenkung nach einem Flugzeugabsturz oder einem Gefahrgutunfall. Hier wäre dann das gesamte Umfeld außerhalb der engeren Einsatzstelle zu managen. Gleichzeitig kann das leichte Allradfahrzeug der Ortsfeuerwehr Linne an Stellen im Gelände eingesetzt werden, die von schweren

Tanklöschfahrzeugen nicht erreicht werden können.

 

Aktive Angehörige einer Freiwilligen Feuerwehr in ausreichender Zahl und zu jeder Zeit können naturgemäß nicht in jedem Dorf zur Verfügung stehen. Auch kann die Gemeinde nicht jede Ortsfeuerwehr so ausrüsten, wie es ohne eine strukturierte Zusammenarbeit erforderlich wäre. Der "Spezialisierungsverbund" ist eine Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit bei Brandschutz und Hilfeleistungen flächendeckend sicherzustellen, dabei die Kosten der Gemeinde als Träger der Feuerwehr zu begrenzen und vor allem, um engagierten Bürgerinnen und Bürger vor Ort die Cance zu geben, sich aktiv und kompetent für ihre Mitmenschen einzusetzen.

 

ein Beitrag von Fritz Böhning